DGB und verdi fordern: „Rente muss für ein gutes Leben reichen!“


Die gesetzliche Altersrente stand im Mittelpunkt einer Informations- und Diskussionsveranstaltung, zu der DGB und verdi in die Stadthalle eingeladen hatten. Einleitend verdeutlichte Herbert Bühner, Vorsitzender des DGB-Ortsverbandes, dass augenblicklich von interessierten Akteuren ein frontaler Angriff auf den Sozialstaat gestartet werde. Dies sei eine Kampfansage an alle abhängig Beschäftigten, an die Gewerkschaften und an die Sozialpartnerschaft.




Gemeinsam stehen sie für eine gesetzliche Rente, die für ein gutes Leben reicht: (v.l.) Günter Kleine-Katthöfer (Vorsitzender DGB-Kreisverband Steinfurt), Anke Unger (stellvertretende Vorsitzende DGB-Bezirk NRW), Albert Sievers (IG BAU), Beate Tollkühn (Vorsitzende verdi-Ortsverein Rheine), Sabine Fischer (GEW) und Herbert Bühner (IGM, Vorsitzender des DGB-Ortsverbandes Rheine).


Bühner verdeutlichte, dass der Ausbau der gesetzlichen Rentenversicherung schon in der Frühzeit der Bundesrepublik auf die Gegnerschaft wirtschaftsliberaler Kreise gestoßen sei. In jüngerer Zeit werde vor allem mit Verweis auf den demografischen Wandel eine Verschlechterung der gesetzlichen Rente gefordert.
Aktuelle von unabhängigen Stellen erhobene Daten belegten, so Bühner, dass schon jetzt vor allem Frauen im Rentenalter zunehmend der Gefahr der Altersarmut ausgesetzt seien. Zudem bestehe ein deutlicher Zusammenhang zwischen Altersarmut und vorherigem geringem Einkommensniveau.




Das „Nichtrentnerlied“ erklang als Welturaufführung. Es veranschaulicht musikalisch, welche Auswirkungen ein erhöhtes Renteneintrittsalter haben kann.


Passend zum Thema erlebten die Anwesenden anschließend die Welturaufführung des „Nichtrentnerliedes“, das in ironischer Anlehnung an einen allseits bekannten Song mit der Formulierung „Mit 66 Jahren ist noch lange nicht Schluss“ musikalisch, mimisch und gestisch verdeutlichte, welche Auswirkungen die Anhebung des Renteneintrittsalters auf die Betroffenen haben kann, bis hin zur düsteren Perspektive, die in der Adaption des Chopinschen Trauermarsches anklang.


Anke Unger, stellvertretende Vorsitzende des DGB-Bezirks NRW, verdeutlichte anschließend die Position der Gewerkschaften unter dem Motto „Rote Karte dem Kahlschlag – damit die Rente reicht!“ Gemäß ihrer Überzeugung ist der Sozialstaat das Fundament der Demokratie. Nach einer vom DGB in Auftrag gegebenen Umfrage finde die soziale Absicherung auf gesetzlicher Grundlage eine breite Unterstützung in der Bevölkerung. Der Sozialstaat brauche vor allem eine gerechte Steuerpolitik, um seine Aufgaben finanzieren zu können; daher sollten auch Kapitalerträge sozialbetragspflichtig sein.
Der DGB habe Anfang des Jahres eine Kommission eingerichtet, die Perspektiven für die langfristige Sicherung der gesetzlichen Rente entwickeln solle. Nicht diskutabel sei hierbei eine weitere Anhebung des Renteneintrittsalters. Dagegen sollen Vorschläge dafür erarbeitet werden, wie ein größerer Personenkreis in die gesetzliche Rente einbezogen werden könne, wie die Anerkennung der Lebensleistung der Versicherten verbessert und wie „würdigere Übergänge“ zwischen Erwerbstätigkeit und Rentenphase geschaffen werden könnten. Eine zentrale Forderung sei auch, das Rentenniveau dauerhaft zu stabilisieren.


In der abschließenden Diskussionsrunde wurde vor allem erörtert, wie die Rententhematik auch im Bewusstsein der Generation, die noch im Berufsleben steht, verstärkt verankert werden könne. Anke Unger akzentuierte hierbei, es gehe nicht einen Konflikt „alt gegen jung“, sondern um die Auseinandersetzung „arm gegen reich“.




  Infotafeln am Rande der Veranstaltung:

- "Wirtschaftswende, klar - nur wohin? Was die Menschen in Deutschland zu den großen Wirtschaftsfragen denken"

- "Empfehlungen der Bürgerdebatte gerechte Steuern und Finanzen"